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Gewählte Publikation:

Fuchs, R.
Charakterisierung der adrenergen Beeinflussung von adulten hämatopoietischen Stammzellen.
[ Dissertation ] Graz Medical University; 2010. pp.143. [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor/innen der Med Uni Graz:
Fuchs Robert
BetreuerInnen:
Dohr Gottfried
Pfragner Roswitha
Altmetrics:

Abstract:
Viele Studien der letzten Jahre zeigen, dass das sympathische Nervensystem Einfluss auf das Immunsystem nimmt. Über eine mögliche modulatorische Wirkung des Sympathicus auf die Hämatopoiese existieren jedoch bis jetzt nur wenige Daten. Um eine Einflussnahme des sympathischen Nervensystems auf das Wachstum und Differenzierung von Stamm- und Progenitorzellen (HSC) nachweisen zu können, wurden in einem in vitro Versuch HSC aus humanem Nabelschnurblut (UCB) isoliert und in Colony-forming-unit-Assays unter Zusatz von rezeptorspezifischen adrenergen Agonisten und Antagonisten kultiviert. Es zeigte sich, dass in Stammzellkulturen durch alpha1-adrenerge Agonisten mit großer Selektivität das erythroide Wachstum supprimiert wird und es zu einer parallelen Anreicherung von myeloischen Zellen kommt. In einem parallel zu den UCB-Progenitoren etablierten erythroiden Modellsystem mit Erythroleukämie-Zellen konnte demonstriert werden, dass adrenerge Agonisten in den Leukämiezellen die Generierung von reaktiven Sauerstoffradikalen induzieren, die sowohl an der Suppression des erythroiden Phänotyps der Zellen beteiligt sind, als auch an der Induktion von autophagolytischem/nekrotischem Zelltod. Im Gegensatz dazu führt die Behandlung von humanen Erythroleukämiezellen mit alpha1-adrenergen Antagonisten zu einem Umschalten des Differenzierungstypes der Zellen in Richtung megakaryozytärer Linie und zu einem apoptotischem Zelltod. Sowohl der Switch in Richtung megakaryozytärer Differenzierung als auch die Induktion von Apoptose durch adrenerge Antagonisten kann durch adrenerge Agonisten attenuiert werden, was die Rezeptorabhängigkeit der beobachteten Effekte beweist. Die Resultate der Arbeit lassen darauf schließen, dass die Prozesse der erythroiden und megakaryozytären Differenzierung durch den Sympathicus über alpha1-adrenerge Rezeptoren moduliert werden. Es konnte somit eine neue mögliche Wechselwirkung zwischen dem sympathischen Nervensystem und der Hämatopoiese enthüllt werden. Pathophysiologische Relevanz der Studie besteht in der Erkenntnis, dass adrenerger Stress die Genese von erythroiden Zellen hemmt. Dies geht einher mit der klinischen Beobachtung, dass Traumapatienten, die hohe Katecholaminspiegel im Serum aufweisen, oft Anämien ausprägen. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Arbeit besteht darin, dass durch adrenerge Antagonisten in Leukämiezellen Apoptose und Differenzierung induziert werden kann. Dieser Befund könnte die Basis für weitere Studien sein, betreffend den Einsatz von adrenergen Antagonisten als Therapeutika zur Behandlung von Leukämie.

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