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Gewählte Publikation:

Schlatzer, C.
Der Nabelvenenkatheter als Gefäßzugang bei neonatalen Notfällen - Indikationen, Vorgehen und Ausbildungskonzepte
Humanmedizin; [ Diplomarbeit ] Medizinische Universitaet Graz; 2021. pp. 76 [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor*innen der Med Uni Graz:
Betreuer*innen:
Schwaberger Bernhard Christian
Urlesberger Berndt
Altmetrics:

Abstract:
Einleitung: Erweiterte Reanimationsmaßnahmen wie Herzdruckmassage und Medikamentengabe sind bei der Neugeborenenreanimation seltene, jedoch gefürchtete Ereignisse. Als optimaler Gefäßzugang zur Medikamentenapplikation bei der Reanimation von Neugeborenen wird in den aktuellen ERC (European Resuscitation Council) - Leitlinien der Nabelvenenkatheter (NVK) genannt. Die Anlage und Fixierung kann in der Notfallsituation jedoch mit Schwierigkeiten verbunden sein. Methoden: Es wurde eine Literaturrecherche zur Erarbeitung einer systematischen Übersichtsarbeit zur Anwendung des NVK bei neonatalen Notfällen durchgeführt. Des Weiteren wurde in einer experimentellen Studie eine neue Methode zur Fixierung des NVK evaluiert. Dabei wurden Nabelschnurreste mit Venenverweilkanülen katheterisiert und mit Einweg-Nabelklemmen fixiert. Es wurden drei Fixationsmethoden (Fixation 1–3) untersucht, wobei die Nabelklemme auf unterschiedlichen Niveaus des Katheters geklemmt wurde. Danach wurde eine durch die Fixation bedingte Kompression des Katheterlumens detektiert, in dem versucht wurde über eine Minute ein vordefiniertes Flüssigkeitsvolumen zu applizieren, und jene Kraft gemessen, die notwendig ist, um die Fixation zu lösen. Ergebnisse: Die Literaturrecherche zeigte, dass nur wenig Literatur zum NVK als Notfall-Gefäßzugang verfügbar ist. In der experimentellen Studie wurden insgesamt 60 Nabelschnüre katheterisiert (jeweils 20 Nabelschnüre pro Fixationsmethode). Im Vergleich des verabreichten medianen [IQR] Volumens von Fixation 1 mit 97% [0-100] zu Fixation 2 mit 90,1% [73,3-100, p=0,3] und Fixation 3 mit 93,8% [89-100, p=0,2] bestand kein signifikanter Unterschied. Auch nicht zwischen Fixation 2 und Fixation 3, (p=0,7). In der Effektivität der Fixation zeigte sich zwischen Fixation 1 mit 4,6N (3,4-5,7) und den anderen beiden Fixationsmethoden Fixation 2 [50N (31,5-68,8), p<0,001] und Fixation 3 [65,9N (58,3-73,5), p<0,001] ein signifikanter Unterschied. Fixation 2 und Fixation 3 waren gleichsam effektiv (p=0,2). Diskussion: Der NVK wird in vielen Publikationen als erste Wahl zur Medikamentengabe bei Neugeborenen-Notfällen beschrieben. Jedoch können alternativ auch ein intraossärer oder ein peripher venöser Zugang eingesetzt werden. Die experimentelle Studie zeigte, dass die neu-evaluierten Fixationsmethoden mit Einweg-Nabelklemme umsetzbar sind. Dabei scheint Fixation 3 hinsichtlich Kompression und Effektivität sowie durch den Einsatz eines Nabelbandes als zusätzliche Blutungskontrolle den anderen überlegen zu sein.

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