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Gewählte Publikation:

Lipp, N.
Freiheitsbeschränkende Maßnahmen bei PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz- eine Literaturübersicht
Masterstudium; Gesundheits- und Pflegewissenschaft; [ Masterarbeit ] Graz Medical University; 2016. pp. 118 [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor/innen der Med Uni Graz:
BetreuerInnen:
Lohrmann Christa
Schüssler Sandra
Altmetrics:

Abstract:
Einleitung: Die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, steigt jährlich. Die stetige Abnahme der kognitiven, körperlichen und verhaltensbedingten Funktionen, die mit einer Demenz einhergehen, sind häufig Gründe für die Übersiedelung in ein Pflegeheim. Gerade in Pflegeheimen kommen Pflegeprobleme wie Freiheitsbeschränkungen sehr häufig vor und vor allem BewohnerInnen mit Demenz sind einem höheren Risiko ausgesetzt freiheitsbeschränkt zu werden. Nur wenige Studien beschäftigen sich sowohl mit der Prävalenz, als auch mit den Arten und Gründen von Freiheitsbeschränkungen bei PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz. Bislang gibt es auch keine Literaturübersicht, welche Studienergebnisse zu allen drei Themen gemeinsam darstellt. Das Ziel dieser Literaturübersicht war es daher, die Prävalenz, als auch die verschieden Arten und Gründe für die Anwendung von Freiheitsbeschränkungen bei PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz aufzuzeigen. Methode: Für diese Literaturübersicht wurde eine systematische Suche in den Datenbanken PubMed, CINAHL, EMBASE via Ovid und Cochrane Database of Systematic Reviews via Ovid durchgeführt. Eine Internetsuche in Google Scholar und eine Handsuche in relevanten Referenzlisten wurden ebenfalls von der Autorin durchgeführt. Die Literaturrecherche wurde zwischen 2014 und 2015 durchgeführt und auf deutsch- und englischsprachige Studien limitiert. Es wurden 19 Studien, welche in den letzten 10 Jahren publiziert wurden, kritisch bewertet und inkludiert. Ergebnisse: Freiheitsbeschränkungen kommen bei 9,9%-78,4% der PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz vor. Als häufigste freiheitsbeschränkende Maßnahme wurden Bettgitter (13,1%-100%) identifiziert. Medikamentöse Freiheitsbeschränkungen kamen bei 29,1%-78% der BewohnerInnen zum Einsatz. In einigen Studien wird auch die Verwendung von Stühlen (2%-41%) oder die Fixierung der Extremitäten oder des Rumpfes (0,5%-93%) aufgezeigt. Die häufigsten Gründe, warum Pflegepersonen freiheitsbeschränkende Maßnahmen einsetzen, stellen aggressives Verhalten (1,2%-91,5%), Sturzprävention (72%-75,5%) und Verhaltensauffälligkeiten wie Agitiertheit (82,5%) dar. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass Freiheitsbeschränkungen sehr häufig bei PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz vorkommen und dass Personen mit Demenz generell häufiger davon betroffen sind, als Personen ohne Demenz. Das Bewusstsein der Pflegepersonen bezüglich Freiheitsbeschränkungen muss geschärft werden, um die Anwendung von Freiheitsbeschränkungen zu reduzieren. Weitere Forschung von freiheitsbeschränkten PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz ist nötig, welche sowohl die Unterschiede in den einzelnen Stadien und Typen der Demenz, als auch die Unterschiede bei freiheitsbeschränkten Personen mit und ohne Demenz untersucht.

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