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Gewählte Publikation:

Kreuzberger, N.
Erfahrungen von Personen, die in der gemeindenahen Pflegeberatung tätig sind
Masterstudium; Gesundheits- und Pflegewissenschaft; [ Masterarbeit ] ; 2015. pp. 73 [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor/innen der Med Uni Graz:
BetreuerInnen:
Lohrmann Christa
Altmetrics:

Abstract:
Hintergrund: Wie in allen europäischen Ländern sieht auch die aktuelle Prognose von Statistik Austria einen Bevölkerungszuwachs für Österreich voraus. Der Anteil pflegebedürftiger Menschen wird steigen und immer mehr Menschen müssen zu Hause versorgt werden. Um deren Selbstständigkeit lange zu erhalten, gehört diese Bevölkerungsgruppe früh genug unterstützt - im Land Salzburg wurde deshalb ein Modellprojekt gestartet: In ländlichen Gemeinden sollen „Sozialbeauftragte“ und Ehrenamtliche durch gemeindenahe Pflegeberatung Pflegebedarf bei älteren Menschen erkennen und Unterstützung bieten. Da dieser Tätigkeitsbereich bisher unerforscht ist, wurde die vorliegende Forschungsarbeit erstellt. Fragestellung: Welche Erfahrungen, Probleme und Bedürfnisse haben Personen in der gemeindenahen Pflegeberatung und welche Aufgaben übernehmen sie? Methode: Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Querschnittsdesign gewählt. Die Stichprobe bestand aus Sozialbeauftragten (4) und Ehrenamtlichen (8), die im Kontakt zu Gemeindebürgern und Gemeindebürgerinnen stehen und Pflegeberatung betreiben. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mithilfe der Inhaltsanalyse nach Mayring und der Software MAXQDA©11 kodiert und kategorisiert. Zur Erhöhung der Analysequalität wurden eine unabhängige Zweitauswertung sowie ein externes Audit durchgeführt. Ergebnisse: Als Ergebnis entstand ein Kategorienbaum mit 6 Hauptkategorien, die sich in Subkategorien unterteilen: „Pflegeberatung“, darunter fallen das Grundverständnis, die Aufgaben und Themen, die Zielgruppe und die Beratungsgestaltung. Bei „Nachfrage/Bedarf“ werden Gründe für mangelnde Nachfrage aufgezeigt. Unter „Zugang zur Zielgruppe“ werden Möglichkeiten der Kontaktaufnahme dargestellt und unter „Persönliche Voraussetzungen“ werden notwendige Voraussetzungen beschrieben. Der „Vermutete Nutzen“ wird untergliedert in Nutzen für Betroffene, Angehörige, die Öffentlichkeit und Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen. Unter „Externe Umstände“ fallen hemmende und fördernde Umstände, die eine Pflegeberatung beeinflussen. Schlussfolgerung: Das Grundverständnis von Pflegeberatung betont die Notwendigkeit einer niederschwelligen Anlaufstelle. Besondere Aufgaben der gemeindenahen Pflegeberatung sind informelle Tätigkeiten, wie Einkaufsfahrten und Zuhören. Die Unausgeglichenheit zwischen Nachfrage und Bedarf wird auf Verdrängung oder Scham zurückgeführt, die durch den niederschwelligen Zugang zur Zielgruppe ausgeglichen werden soll und aufgrund der guten Überblickbarkeit im Ort sowie ehrenamtlich Tätiger sei es möglich, die Betroffenen bei Verdacht auf Pflegebedarf aufzufangen. Vermutete Nutzen durch die gemeindenahe Pflegeberatung sind der Erhalt der Lebensqualität und Sicherheit. Eine erfolgreiche Pflegeberatung ist nur möglich, wenn auch externe Umstände gegeben sind, wie das Vorhandensein von Zeit, Raum und Personal.

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