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Gewählte Publikation:

Wedenig, A.
Vermittlung von sozialer Kompetenz im Unterrichtsfach "Palliativpflege"
[ Masterarbeit ] Medical University of Graz; 2013. pp. 125 [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor/innen der Med Uni Graz:
BetreuerInnen:
Eichhorn-Kissel Juliane
Lohrmann Christa
Altmetrics:

Abstract:
Durch den zunehmenden Bedarf an palliativer Versorgung im österreichischen Gesundheitswesen rückt die Rolle des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege in den Mittelpunkt. Pflegende nehmen in der Betreuung Sterbender und deren Angehörigen einen wichtigen Platz ein, da sie in der Palliativversorgung die meiste Zeit mit den Betroffenen und deren Familienmitgliedern verbringen. Die Pflege weiß am besten über den aktuellen Zustand und das Empfinden der Sterbenden Bescheid. Palliative Pflege orientiert sich in allen Maßnahmen am Wohlbefinden der Sterbenden mit dem Ziel, die bestmögliche Lebensqualität für die Betroffenen und deren Angehörigen zu erhalten. Sie verlangt nach kreativer, symptomorientierter, individueller, umfassender und empathischer Pflege. Seit 1997 ist Palliativpflege als eigenständiger Unterrichtsgegenstand in der Ausbildung zur allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege in Österreich enthalten, um zukünftige Pflegende auf diese hohen Anforderungen in der Arbeit mit Sterbenden und deren Angehörigen besser vorzubereiten. Neben fachlicher und persönlicher Kompetenz sollen SchülerInnen in der Ausbildung auch soziale Kompetenz lernen und entwickeln. Diese Kompetenz ist sehr wichtig, um eine professionelle Palliativpflege zu ermöglichen. Studien außerhalb des deutschsprachigen Raumes zeigen, dass sich Pflegende beim Umgang mit Sterbenden und deren Angehörigen in Fähigkeiten, die die soziale Kompetenz betreffen, zum Teil nicht gut ausgebildet fühlen. Im deutschsprachigen Raum fehlen Untersuchungen die diese Aspekte beleuchten, daher war es Ziel dieser Arbeit, eine erste Ist-Analyse des Palliativpflegeunterrichts durchzuführen und die Situation für Österreich zu beleuchten. Im Rahmen dieser Ist-Analyse wurde untersucht, ob der sozialen Kompetenz im Unterricht die notwendige Bedeutung beigemessen wird. Es wurden die Bedingungen, die die Förderung der sozialen Kompetenz im Unterricht beeinflussen, erforscht und nach den Unterrichtsmethoden gefragt, die SchülerInnen in der Kommunikation mit Sterbenden und in der Auseinandersetzung mit ihren eigenen Gefühlen im Bezug auf die Themen Sterben, Tod und Verlust fördern sollen. Auch wurde erhoben, ob sich die SchülerInnen durch die angewandten Unterrichtsmethoden für die Praxis gut vorbereitet fühlen. Die Daten wurden im Rahmen eines deskriptiven Forschungsdesigns, in das ein qualitativer Ansatz integriert wurde, mittels zehn Experteninterviews in Form von halbstandardisierten Leitfadeninterviews erhoben. Die TeilnehmerInnen wurden durch eine Gelegenheitsstichprobe, bei der zusätzlich ein Schneeballverfahren angewendet wurde, rekrutiert. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass die soziale Kompetenz in der Palliativpflege einen wichtigen Stellenwert sowohl für LehrerInnen als auch für SchülerInnen einnimmt, aber die Förderung und Vermittlung dieser Kompetenz im Unterricht durch Einschränkungen in den materiellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen beeinflusst wird. Während sich SchülerInnen in der Auseinandersetzung mit ihren eigenen Gefühlen durch den Unterricht gut vorbereitet fühlen, äußern sie Defizite in der Kommunikation mit Sterbenden und deren Angehörigen. Im Bezug auf die Unterrichtsmethoden decken die Ergebnisse auf, dass kaum Methoden eingesetzt werden, die die Kommunikation mit Sterbenden direkt fördern. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Kommunikation der SchülerInnen im Umgang mit Sterbenden und deren Familienmitgliedern wesentlich verbessert werden sollte und LehrerInnen gefordert sind, diesen Defiziten nachzukommen. Auch führen die Ergebnisse zur Erkenntnis, dass die Schulorganisation und die politische Ebene in finanzieller Hinsicht und im Bezug auf die Rahmenbedingungen gefordert sind, bessere Möglichkeiten für die Vermittlung und Förderung von sozialer Kompetenz im Unterricht zu schaffen, um diese Kommunikationsdefizite zu reduzieren.

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