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Gewählte Publikation:

Kainbacher, D.
Freiheitsentziehende Maßnahmen bei PatientInnen und BewohnerInnen in österreichischen Krankenhäusern und Pflegeheimen Prävalenz, Gründe und Pflegeabhängigkeit
[ Masterarbeit ] Medical University of Graz; 2011. pp. 91 [OPEN ACCESS]
FullText

 

Autor/innen der Med Uni Graz:
BetreuerInnen:
Lohrmann Christa
Altmetrics:

Abstract:
Freiheitsentziehende Maßnahmen werden sowohl im Krankenhaus als auch im Pflegeheim, trotz ihres umstrittenen Effektes, sehr häufig angewendet. Durch die Anwendung von FEM kann es sowohl bei den Betroffenen als auch bei deren Angehörigen zu schwerwiegenden physischen und psychischen Konsequenzen, wie Mobilitätsverringerung, Nervenverletzungen und Gefühlen des Freiheitsverlustes kommen. Die beschriebenen internationalen Prävalenzraten im Krankenhaus liegen zwischen 3,4% und 21% und im Pflegeheim zwischen 12% und 47%. Die Prävalenzraten im Pflegeheim sind allgemein höher und auch bei der österreichischen Prävalenzerhebung 2009 lagen die Prävalenzraten im Pflegeheim bei 34,6% im Gegensatz zum Krankenhaus mit 7,2%. Jedoch ist der Vergleich zwischen verschiedenen Prävalenzstudien aufgrund von unterschiedlichen Definitionen, Erhebungsmethoden und ¿zeiträumen sehr schwierig. Diese Arbeit zielt darauf ab, die Häufigkeit der Anwendung von FEM in österreichischen Krankenhäusern und Pflegeheimen zu erheben. Ein weiteres Ziel ist die Erhebung der Gründe für die Anwendung von FEM und die Einschätzung der Pflegeabhängigkeit der TeilnehmerInnen. Insgesamt wurden die Daten von 3838 TeilnehmerInnen in jeweils 18 Krankenhäusern und Pflegeheimen ausgewertet. Die Prävalenz von Freiheitsentziehenden Maßnahmen im Krankenhaus liegt in dieser Arbeit bei 6,3% und im Pflegeheim bei 29,2% und es wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Einrichtungstypen herausgefunden. Ferner wurden die Gründe für die Anwendung von FEM erhoben. Hierbei wurde festgestellt, dass sowohl im Krankenhaus als auch im Pflegeheim die Sturzprävention als häufigster Grund für die Anwendung von FEM angegeben wurde. Weitere Gründe waren die Vermeidung von aggressivem Verhalten und das Ermöglichen der medizinischen Behandlung. Der Vergleich der Pflegeabhängigkeit zwischen Fixierten und Nicht Fixierten wurde herausgefunden, dass fixierte TeilnehmerInnen insgesamt pflegeabhängiger waren als Nicht-Fixierte. Ferner waren BewohnerInnen im Pflegeheim insgesamt pflegeabhängiger als KrankenhauspatientInnen. Fixierte TeilnehmerInnnen waren im Gegensatz zu Nicht-Fixierten in den Bereichen Körperpflege, Kontinenz, An- und Auskleiden und Lernfähigkeit eher abhängig. Die Ergebnisse dieser Arbeit untermauern die Ergebnisse früherer Studien und kommen zu ähnlichen Prävalenzraten, wie in anderen internationalen Studien beschrieben. Ferner wurde der Hauptgrund für die Anwendung von FEM, die Sturzprävention, ermittelt, was wieder die Ergebnisse anderer Studien bestätigt. Durch die Teilnahme an Prävalenzerhebungen kann das Ausmaß der Anwendung von FEM herausgefunden werden und daraufhin Maßnahmen neu geplant oder gegebenenfalls verändert werden, um so die Pflegepraxis zu verbessern und die Pflegequalität in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu erhöhen.

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